
Verpackungsverordnung: Diese neue EU-Regel kann teuer werden
Seit dem 12. August gilt die PPWR für jede Verpackung im Warenstrom.
Marc Staller · 28. August 2026 · 17 Min

Seit dem 12. August gilt die PPWR für jede Verpackung im Warenstrom.
Marc Staller · 28. August 2026 · 17 Min
Christian Kelm über die Lücke zwischen Klick und Kauf, über ein Ziel, das im Durchschnitt erreicht und in jedem Einzelfall verfehlt wird, und über einen Zeitraum, der im September beginnt und erst im Januar endet.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzungen eines Praktikers wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Das gilt besonders für die Abschnitte zu Streichpreisen und zu den Teilnahmebedingungen von Amazon-Aktionen, deren rechtliche Bewertung von Kategorie, Preisgestaltung und Einzelfall abhängt.
Weil im vierten Quartal mehr Zeit zwischen Klick und Kauf vergeht als im restlichen Jahr, die Werbekonsole diesen Abstand aber nur begrenzt abbildet. Die Klickkosten fallen sofort an, der zugehörige Umsatz fällt teilweise aus dem Messfenster.
Kunden verhalten sich im Weihnachtsgeschäft anders als sonst. Sie sehen ein Produkt im Oktober, legen es beiseite, warten die Rabattwoche um Black Friday ab und kaufen im Dezember. Kelm beschreibt das Muster als Grundproblem der Saison: viel Interaktion früh, die Entscheidung spät.
Für die Steuerung von Geboten ist dieser Abstand entscheidend, weil Amazon einen Verkauf nur dann einer Anzeige zurechnet, wenn er innerhalb des Attributionsfensters stattfindet. Nach Kelms Angaben steht dieses Fenster in der Standardeinstellung bei Sponsored Products auf sieben Tagen und bei Sponsored Brands auf vierzehn Tagen. Käufe danach erscheinen im Konto als organischer Umsatz, obwohl der Klick bezahlt wurde.
Die Folge ist eine systematische Untererfassung. Der ausgewiesene ACOS liegt höher als der tatsächliche, weil die Kosten vollständig, die Umsätze aber unvollständig gezählt werden. Wer sein Gebot auf diese Zahl stützt, bietet zu vorsichtig, und zwar genau in der Phase, in der die Nachfrage am größten ist.
Im Rechenbeispiel des Vortrags 13 Cent zwischen dem kürzesten und dem längsten Fenster, und 6 Cent zwischen der Amazon-Standardeinstellung und dem 30-Tage-Fenster. Das entspricht einem Aufschlag von 25 Prozent auf das Gebot, ohne dass sich am Ziel etwas ändert.
Kelm rechnet das an einem bewusst schlichten Fall vor. Ein Produkt kostet 23,00 Euro, das ACOS-Ziel liegt bei 22 Prozent, eine Anzeige erhält 2.500 Einblendungen und 150 Klicks. Aus diesen Größen lässt sich ableiten, wie viel ein Klick kosten darf: Verkaufspreis multipliziert mit ACOS-Ziel ergibt den erlaubten Werbekostenbetrag pro Verkauf, multipliziert mit der Conversion-Rate ergibt das Gebot.
Die Conversion-Rate ist dabei die einzige Größe, die sich mit dem Attributionsfenster verändert. Innerhalb eines Tages werden dem Klick 5 Verkäufe zugeordnet, nach sieben Tagen 7, nach vierzehn Tagen 8 und nach dreißig Tagen 9. Aus 3,33 Prozent Conversion-Rate werden so 6,00 Prozent, aus 17 Cent zulässigem Gebot werden 30 Cent.
Wie groß der Effekt im einzelnen Konto ausfällt, schwankt erheblich. Kelm nennt acht Prozent zusätzlich zugeordneten Umsatz als typischen Wert und berichtet von Konten mit dreizehn und sechzehn Prozent ebenso wie von Konten mit zwei bis drei Prozent. In drei im Vortrag gezeigten Auswertungen lag der Unterschied zwischen dem 7-Tage- und dem 30-Tage-Fenster bei 7,1 Prozent, 16,6 Prozent und 13,3 Prozent zusätzlichem Werbeumsatz.
Aufklappen zeigt, welches Gebot das Rechenbeispiel im jeweiligen Attributionsfenster zulässt und was daraus folgt.
5 der 150 Klicks führen am selben Tag zum Kauf, die Conversion-Rate beträgt 3,33 Prozent. Wer nur diesen Ausschnitt betrachtet, hält sein Produkt für deutlich weniger werbefähig, als es ist. Für Verbrauchsartikel mit sehr kurzer Entscheidungszeit kann das Fenster passen, im Weihnachtsgeschäft passt es fast nie.
7 Verkäufe, 4,67 Prozent Conversion-Rate. Das ist die Sicht, die die Werbekonsole ohne weiteres Zutun liefert. Alle Käufe ab dem achten Tag erscheinen im Konto als organischer Umsatz, obwohl der Klick bezahlt wurde.
8 Verkäufe, 5,33 Prozent Conversion-Rate. Wer Sponsored Products und Sponsored Brands im selben Bericht vergleicht, vergleicht damit zwei unterschiedlich lange Messzeiträume. Das erklärt einen Teil der Unterschiede, die vielen Händlern als Formatvorteil erscheinen.
9 Verkäufe, 6,00 Prozent Conversion-Rate. Gegenüber dem Amazon-Standard sind das 25 Prozent mehr Gebot bei unverändertem Ziel. Kelm bezieht diese Werte über Amazon Marketing Stream, weil die Werbekonsole selbst die späteren Verkäufe nicht als Werbeumsatz ausweist.
In den Konten stecken nachgelagerte Verkäufe, die die Werbekonsole nicht als Werbeumsatz ausweist. Bezahlt wurde für sie trotzdem.
Ein Durchschnitt kann erreicht werden, ohne dass ein einziges Target richtig eingestellt ist. Wer 20 Prozent anstrebt und aus Zielen mit 3 Prozent und Zielen mit 40 Prozent einen Mittelwert bildet, verliert an der einen Stelle Geld und an der anderen Marktanteil.
Kelm hält den gemittelten Ziel-ACOS für den häufigsten statistischen Fehler in der Amazon-Werbung. Sein Argument: Die Kennzahl beschreibt ein Konto, gesteuert wird aber nicht das Konto, sondern jedes einzelne Target mit einem eigenen Gebot. Ein Mittelwert sagt darüber nichts aus.
Praktisch entstehen dabei zwei gegenläufige Fehler zur selben Zeit. Targets mit sehr niedrigem ACOS werden als Erfolg verbucht, obwohl sie zeigen, dass zu wenig geboten wird und Nachfrage an den Wettbewerb geht. Targets mit sehr hohem ACOS werden mit dem Hinweis auf den guten Durchschnitt geduldet, obwohl dort unprofitabel eingekauft wird. Der Durchschnitt stimmt, das Konto arbeitet an beiden Enden gegen sich selbst.
Die Alternative besteht darin, Ziele nach Aufgabe zu trennen. Eine Anzeige, die die eigene Marke gegen Wettbewerber verteidigt, hat einen anderen wirtschaftlichen Auftrag als eine Anzeige, die Restbestand abverkauft, und beide unterscheiden sich von einer Anzeige, die ein neues Produkt in den Markt drückt. Erst wenn jedes Target ein zu seiner Aufgabe passendes Ziel hat, wird die Steuerung überprüfbar.
Das Standardgeschäft mit bekannten, gut konvertierenden Suchbegriffen. Hier ist ein enges ACOS-Ziel sinnvoll, weil der Deckungsbeitrag den Maßstab liefert und wenig erklärungsbedürftig ist.
Anzeigen auf die eigene Marke und die eigenen Produktseiten. Der Auftrag ist Verteidigung, nicht Rendite. Gemessen an reiner Profitabilität wirken diese Kampagnen teuer, ihr Wegfall wird an anderer Stelle teurer.
Restbestände, Fehlfarben, Auslaufartikel sowie Vorstöße auf Wettbewerber. Hier darf das Ziel deutlich weiter gefasst sein, weil Lagerkosten und Verdrängung mit in die Rechnung gehören.
Neue Artikel und neue Suchbegriffe ohne Historie. Der ACOS ist zu Beginn hoch und soll es sein, weil zunächst Interaktionsdaten eingekauft werden. Ohne eigenes Ziel verschwindet dieser Bereich im Durchschnitt.
„Bei dem einen verlierst du Geld, bei dem anderen verlierst du Marktanteile. Beides ist falsch.“
Christian Kelm über den gemittelten Ziel-ACOS
Vor allem die Budgets, nicht die Gebote. Der Zulauf steigt im Weihnachtsgeschäft um ein Vielfaches, die Conversion-Rate bleibt nach Kelms Beobachtung oft gleich. Was fehlt, ist Budget, nicht Gebotshöhe.
Die Rechnung dahinter ist einfach. Bleibt die Conversion-Rate stabil und verdreifacht sich der Traffic, verdreifachen sich auch die Ausgaben bei unverändertem Gebot. Wer stattdessen die Gebote anhebt, zahlt für dieselbe Nachfrage mehr, ohne mehr davon zu bekommen. Kelm empfiehlt zusätzlich eine häufige, im Idealfall stündliche Gebotsanpassung, weil sich Marktbewegungen in dieser Phase innerhalb von Stunden aufbauen.
Für saisonale Ideen rät er zu eigenen Kampagnen statt zu Ergänzungen im Bestand. Weihnachtsspezifische Suchbegriffe und Artikel, die nur im Q4 eine Rolle spielen, stören die eingespielte Struktur, wenn sie in bestehende Anzeigengruppen wandern. Als eigene Kampagne lassen sie sich testen, nachjustieren und im Januar abschalten, ohne dass die Lernphase der ganzjährigen Kampagnen darunter leidet.
Zwei Kontoeinstellungen nennt Kelm gesondert. Amazon hat die Kampagnen auf die Ausspielung außerhalb des Marktplatzes umgestellt, eine Sammeleinstellung dafür gibt es nicht. Wer sein externes Traffic-Management selbst steuert, muss die Begrenzung in jeder Kampagne einzeln setzen. Außerdem lässt sich in den Kontoeinstellungen festlegen, ob Amazon das Tagesbudget um 25 oder um 100 Prozent überschreiten darf. Kelm hält 25 Prozent für den Wert, den jedes Konto setzen sollte.
„Setz jeden Tag eine Kampagne auf. Am Ende des Jahres hast du 365 Kampagnen und damit wahrscheinlich 300 mehr als der Wettbewerb.“
Christian Kelm über den Umgang mit Werbeflächen
Sponsored Display und die Produktausrichtung, dazu die auf die Marke zugeschnittenen Werbeaktionen. Alle drei sind vergleichsweise günstig, alle drei wirken dort, wo die Kaufentscheidung tatsächlich fällt, nämlich auf der Produktseite.
Die erste Empfehlung ist defensiv. Kelm rät, die eigenen Artikel mit Sponsored Display auf die eigenen Artikel auszurichten, um die Bannerflächen der eigenen Produktseiten zu belegen, statt sie dem Wettbewerb zu überlassen. Voraussetzung ist ein halbwegs zusammenhängendes Sortiment: Windeln auf Windeln, Waschmaschinen auf Waschmaschinen.
Dazu kommt die Weitervermarktung. Nach Aufrufen lassen sich Zielgruppen über 7, 14, 30, 60 und 90 Tage anlegen, nach Kauf über Zeiträume bis zu 365 Tagen, wobei der sinnvolle Abstand vom Wiederkaufrhythmus des Produkts abhängt. Kelm rechnet das als Retargeting innerhalb des Marktplatzes und empfiehlt, alle Zielgruppen mit niedrigen Geboten im Bereich von zehn bis fünfzehn Cent zu starten und sich von unten heranzuarbeiten, weil die Einblendungen sonst schnell sehr zahlreich werden.
Bei den auf die Marke zugeschnittenen Werbeaktionen hat Amazon die Mindestgröße einer Zielgruppe von über 1.000 auf 500 gesenkt. Einlösegebühren fallen nach Kelms Darstellung nicht an, gezahlt wird ausschließlich mit dem gewährten Rabatt zwischen 10 und 50 Prozent. Der Unterschied zum Coupon liegt in der Sichtbarkeit: Ein Coupon zeigt den Nachlass allen Besuchern, die zugeschnittene Werbeaktion nur der ausgewählten Gruppe, etwa Kunden, die den Warenkorb nicht abgeschlossen haben.
Die Produktausrichtung nennt Kelm die verbliebene Möglichkeit, organische Sichtbarkeit über Werbung aufzubauen. Eine Produktausrichtungs-Anzeige hängt an einer konkreten ASIN und wird überall dort ausgespielt, wo dieser Artikel Aufmerksamkeit einkauft. Davon profitiert nach seiner Beobachtung besonders, wer den externen Traffic anderer abgreift: Wenn eine Marke ihre Käufer über Social Media zu Amazon lenkt, suchen diese Kunden nach Markennamen, nicht nach generischen Begriffen. Ein sauber gepflegtes Wettbewerbsprodukt auf derselben Produktseite nimmt einen Teil dieser Nachfrage mit.
„Bei den Warenkorbabbrechern läuft es gut. Bei den anderen Zielgruppen hatte ich keinen zusätzlichen Absatz, sondern nur höhere Aktionskosten. Meine Vermutung war, dass diese Kunden ohnehin gekauft hätten und den Rabatt jetzt einfach mitnehmen.“
Christian Kelm antwortet
Das liegt meistens am Coupon. Wer mit Coupons arbeitet, zeigt den Rabatt allen, die auf der Produktseite landen, also auch denen, die zum vollen Preis gekauft hätten. Genau da entsteht die Verwässerung, die du beschreibst.
Die zugeschnittene Werbeaktion funktioniert anders. Den Rabatt bekommt nur, wer in das Segment fällt. Ein Kunde mit offenem Einkaufswagen sieht beim ersten Besuch noch gar nichts, sondern erst, wenn er zurückkommt.
Wenn am Gesamtergebnis trotzdem nichts hängen bleibt, lässt du es. Das ist wie bei PPC: ausschalten und schauen, was du ohne die Maßnahme verdienst.
Die Frage ist nicht, ob die Aktion Umsatz erzeugt, sondern ob sie zusätzlichen Umsatz erzeugt.
Coupon und zugeschnittene Werbeaktion nicht parallel auf dasselbe Produkt legen, sonst sieht die Zielgruppe beide Nachlässe.
„Ich habe mit Sponsored Display viel Geld verbrannt. Zahlt man dort nicht pro Einblendung statt pro Klick?“
Christian Kelm antwortet
Nur wenn du sie so einstellst. Sponsored Display fängt mit der Frage an, ob du Bekanntheit, Erwägung oder Verkäufe willst. Wer Bekanntheit nimmt, arbeitet mit Tausend-Kontakt-Preisen und zahlt für Einblendungen. Da verbrennst du Geld.
Für das, worüber wir hier reden, also die eigenen Produktseiten belegen und die Weitervermarktung, ist die Abrechnung pro Klick die richtige Wahl. Wenn sonst Geld verbrennt, heißt das meistens etwas anderes: Deine Conversion-Rate passt nicht zum Gebot.
Vor dem Gebot steht die Zielauswahl. Sie entscheidet über die Abrechnungsart, nicht das Format.
Bestehende Sponsored-Display-Kampagnen daraufhin prüfen, ob sie auf Klick oder auf Tausend-Kontakt-Preis laufen.
Es beginnt im September mit dem Aufbau organischer Sichtbarkeit und endet in der zweiten Januarwoche. Der 24. Dezember ist nicht das Ende, sondern die Mitte einer Phase, in der Gutscheine eingelöst und Fehlkäufe getauscht werden.
Kelm meint damit ausdrücklich nicht die Rankings, sondern die Empfehlungskarussells auf den Produktseiten. Diese Flächen sind nach seiner Einschätzung etwa zur Hälfte organisch belegt und werden aus Klickinteraktionen gefüllt. Solange der Markt ruhig ist, reichen wenige Klicks, um hineinzukommen.
Der Einstieg richtet sich nach dem Produkt. Als Orientierung nennt Kelm die Wetterlage, den ersten Frost und den ersten Schnee. Von der Teilnahme an Black Friday und Cyber Monday rät er ab, sofern kein konkreter Abverkaufsgrund vorliegt.
In der zweiten und dritten Dezemberwoche wird nach Kelms Erfahrung am härtesten gekauft und am meisten Werbebudget ausgegeben. Zu prüfen ist hier vor allem, ob die Lieferzeit noch zugesagt werden kann.
Sobald auf dem eigenen Listing steht, dass die Lieferung nicht mehr vor Weihnachten ankommt, sollten die Anzeigen aus, unabhängig davon, wie profitabel sie laufen. Der Grund sind Retouren und schlechte Bewertungen. Retouren werden in den Werbeberichten nur für 24 Stunden berücksichtigt, sie tauchen im Kampagnenergebnis also gar nicht auf.
Gutscheine werden am Nachmittag des 24. eingelöst, falsche Geschenke gehen zurück, das Geld kommt frei. Gleichzeitig verschiebt sich die Kaufabsicht von "ich kaufe für jemand anderen" zu "ich kaufe für mich". Die Woche zwischen den Feiertagen hat zudem eigene Sortimente rund um Feiern und Silvester.
Retouren, Umtausch und Gutscheine treffen auf Urlaub und Vorsätze. In Kategorien wie Fitness ist der Januar nach Kelms Beobachtung der stärkste Monat des Jahres. Wer das Werbebudget zum Jahresende auslaufen lässt, verschenkt zwei bis drei Wochen Nachfrage.
„Nur weil alle ein Geschenk suchen, heißt das nicht, dass du ein Geschenk bist.“
Christian Kelm über das Werben im Geschenkeumfeld
Weil die Kunden ohnehin kommen. Ein Nachlass in einer Phase mit hoher Nachfrage senkt die Marge, ohne die Nachfrage nennenswert zu erhöhen, und wirkt zusätzlich über höhere ACOS-Ziele auf einen bereits gesenkten Verkaufspreis.
Kelm nennt zwei Ausnahmen, in denen ein Rabatt für ihn Sinn ergibt. Die erste ist der Abverkauf von Ladenhütern und Fehlfarben. Die zweite ist ein Einstiegsprodukt, das den Verkauf margenstarker Folgeartikel nach sich zieht, wobei er das Verhältnis von Staubsauger und Staubsaugerbeutel als Beispiel wählt.
Bei Amazon-Deals kommt eine praktische Unsicherheit hinzu. Die Teilnahmebedingungen fordern einen Abstand zum bisherigen Preis, den Amazon nach Kelms Erfahrung nachträglich verschieben kann, sodass ein bereits bestätigter Deal zum Zeitpunkt der Schaltung abgelehnt wird. Unterhalb von etwa 15 Prozent Nachlass hält er einen Deal ohnehin für wirkungslos, weil ein kleinerer Betrag Kunden kaum bewegt und im Wesentlichen nur die Darstellung im Suchergebnis verschiebt.
Als Gegenbeispiel schildert er einen Kunden, der seine monatlichen Werbeausgaben in der Hauptsaison von 50.000 auf 10.000 Euro reduziert hat, im Schnitt teurer anbietet als der Wettbewerb und in diesem Jahr Gewinn erwirtschaftet. Belege für die dahinterliegenden Konten liegen der Redaktion nicht vor, die Zahlen stammen aus dem Vortrag.
„Amazon hat angekündigt, dass für Black Friday dieselben Teilnahmebedingungen gelten wie für den Prime Day, also fünf Prozent unter dem bisherigen Preis. In der Konsole sieht es für mich aber so aus, als gelte das nur für den Normalpreis der letzten dreißig Tage. Gilt das nun?“
Christian Kelm antwortet
Ich würde das nicht als geklärt behandeln. Gemeint sind die dreißig Tage vor dem eigentlichen Termin, und der liegt in der Zukunft. Dein Deal geht durch, und wenn es an die Schaltung geht, steht plötzlich da: abgelehnt, Preis entspricht nicht mehr.
Amazon verschiebt die Bedingungen einfach. Mal sind es nicht dreißig, sondern hundertachtzig Tage, mal nicht fünf, sondern zehn Prozent. Darauf kannst du nicht planen.
Klarheit gibt es erst zur Schaltung. Eine Bestätigung im Voraus trägt nicht.
Wegen fünf Prozent hält Kelm einen Deal nicht für lohnend. Wirkung setzt für ihn erst bei etwa fünfzehn Prozent ein.
„Bei manchen ASINs steht ein Streichpreis, bei anderen nur die UVP, obwohl es dieselben Artikel sind. Lässt sich das beeinflussen?“
Christian Kelm antwortet
Ich kenne keine verlässliche Methode. Ich habe dieselben Artikel im selben Konto, bei dem einen steht der Streichpreis, bei dem anderen die UVP, und keiner weiß warum. Jede Kategorie läuft da einzeln.
Grundsätzlich ist dir als Hersteller ein Streichpreis weitgehend verwehrt, und du darfst nur in engen Grenzen vom eigenen Normalpreis abweichen. Für den Einzelfall gehört das zu einem Anwalt, das ist nicht mein Feld.
Was kursiert, sind zwei Wege: nachts die Preise hochladen oder Verkäufe zum höheren Preis erzeugen. Beides bewegt sich im Graubereich der Nutzungsbedingungen, und die Straferwartung muss jeder für sich einschätzen.
Die Anzeige folgt keiner von außen erkennbaren Regel und variiert je Kategorie.
Nicht erzwingen. Wer die Darstellung manipuliert, riskiert mehr, als er gewinnt.
„Spielt nicht mit Geld. Das ist euer Geld, eure Marge.“
Christian Kelm zum Abschluss des Marketing-Teils
Unterschiedliche Preispunkte in derselben Anzeigengruppe. Sobald zwei Artikel mit verschiedenen Preisen um dasselbe Target konkurrieren, gibt es kein Gebot mehr, das für beide richtig ist.
Kelm rechnet es an zwei Stiften vor. Ein Artikel kostet 10 Euro, der andere 20 Euro, beide haben dieselbe Conversion-Rate und dasselbe ACOS-Ziel von 10 Prozent. Damit darf der eine Verkauf 1 Euro Werbekosten tragen und der andere 2 Euro, woraus bei gleicher Conversion-Rate ein Gebot von 10 beziehungsweise 20 Cent folgt. Gesetzt werden kann aber nur eines.
Ein verwandter Fehler sind übernommene Faustregeln. Die verbreitete Regel, ein Suchbegriff ohne Verkauf sei nach zehn Klicks abzuschalten, unterstellt eine Conversion-Rate von über zehn Prozent. Liegt sie bei fünf Prozent, braucht es im Mittel zwanzig Klicks für einen Verkauf, und die Regel bricht den Test nach der Hälfte ab.
Dahinter steht für Kelm ein grundsätzlicheres Problem: Viele Ziele sind nie durchgerechnet worden. Er beschreibt Gespräche, in denen ein ACOS-Ziel von 60 Prozent genannt wird, das sich bei einer Conversion-Rate von zwei Prozent und einem Produktpreis von 25 Euro rechnerisch nicht halten lässt, weil für einen Verkauf rund fünfzig Klicks nötig sind. Ein Werbeziel ist für ihn erst dann eines, wenn es mit dem Taschenrechner nachvollziehbar ist.
Die Angaben in diesem Beitrag stammen aus einem Fachvortrag und geben die Erfahrungswerte des Referenten wieder. Kelm arbeitet mit AMALYZE an einem Werkzeug zur Gebotssteuerung, das die beschriebene Auswertung über Amazon Marketing Stream nutzt. Die Rechenwege lassen sich unabhängig davon nachvollziehen, die genannten Konto-Ergebnisse nicht.
Die abgebildeten Folien stammen unverändert aus dem Foliensatz des Referenten. Sie folgen dessen Gestaltung und nicht der dieses Magazins. Die Redaktion hat sie ausgewählt und mit Bildunterschriften versehen, aber inhaltlich nicht verändert.
Die Berichte lassen sich in verschiedenen Attributionsfenstern betrachten, die Zuordnung der Verkaufsdaten folgt jedoch der Standardeinstellung von sieben Tagen bei Sponsored Products. Die später erfolgten Käufe bezieht Kelm über Amazon Marketing Stream, eine gesonderte Datenschnittstelle von Amazon Advertising.
Nach Kelms Einschätzung in der Regel nicht. Steigt der Traffic bei gleichbleibender Conversion-Rate, reicht eine Anpassung der Budgets. Eine Gebotserhöhung ist dann sinnvoll, wenn ein längeres Attributionsfenster zeigt, dass mehr Verkäufe zugeordnet werden können als bisher sichtbar.
Kelm nennt den September, weil die organischen Empfehlungsflächen auf den Produktseiten zu diesem Zeitpunkt noch mit wenigen Klickinteraktionen zu erreichen sind. Der genaue Einstieg hängt vom Produktbereich ab, als Orientierung dienen der erste Frost und der erste Schnee.
Kelm rät davon ab, sofern kein Abverkaufsziel dahintersteht. Sein Argument ist, dass die Nachfrage in dieser Phase ohnehin vorhanden ist und ein Nachlass die Marge senkt, ohne zusätzliche Käufer zu bringen. Cyber Monday spielt aus seiner Sicht in Europa keine Rolle mehr.
Weil das Gebot pro Target gesetzt wird, der zulässige Klickpreis sich aber aus Verkaufspreis, ACOS-Ziel und Conversion-Rate ergibt. Bei 10 und 20 Euro Verkaufspreis unterscheidet sich das richtige Gebot um den Faktor zwei, gesetzt werden kann nur ein Wert.